Zahlen nachsprechen besteht aus Vorwärts, Rückwärts und Sequenziell
Im WAIS-IV-Untertest „Zahlen nachsprechen“ hören Sie eine Ziffernfolge und geben sie mündlich in der jeweils verlangten Reihenfolge wieder. Die Aufgabe beansprucht das Arbeitsgedächtnis (Gwm). In der deutschen WAIS-IV ist „Zahlen nachsprechen“ zusammen mit „Rechnerisches Denken“ ein Kerntest des Index Arbeitsgedächtnis (AGD).
Der Untertest besteht aus drei Bedingungen:
| Bedingung | Reihenfolge der Antwort | Zentrale Belastung |
|---|---|---|
| Vorwärts | in der gehörten Reihenfolge | Ziffern und ursprüngliche Reihenfolge behalten |
| Rückwärts | in umgekehrter Reihenfolge | die behaltene Reihenfolge umkehren |
| Sequenziell | von der kleinsten zur größten Ziffer | Größen vergleichen und neu ordnen |
Die drei Bedingungen ergeben gemeinsam den Untertestwert für „Zahlen nachsprechen“. Im deutschen Ergebnisprofil können zusätzlich die Bedingungswerte ZN-V, ZN-R und ZN-S sowie die längsten korrekt wiedergegebenen Folgen LZ-V, LZ-R und LZ-S ausgewiesen werden. Sie zeigen, unter welcher Reihenfolgebedingung die Leistung innerhalb des Untertests höher oder niedriger ausfällt.
Ziffern behalten und nach der jeweiligen Regel wiedergeben
Im Zentrum steht, gehörte Ziffern kurzfristig in einem nutzbaren Zustand zu halten. Da jede Folge nur einmal dargeboten wird, müssen Sie die gehörten Informationen bewahren und nach der Regel der jeweiligen Bedingung wiedergeben. Im Unterschied zwischen Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis liegt Vorwärts näher am reinen Behalten, während Rückwärts und Sequenziell zusätzlich eine Veränderung der gespeicherten Reihenfolge verlangen.
Bei Vorwärts bleiben Ziffern und Reihenfolge unverändert. Bei Rückwärts verfolgen Sie die gespeicherte Folge vom Ende zum Anfang. Bei Sequenziell lösen Sie sich von der ursprünglichen Reihenfolge und ordnen die Ziffern nach ihrer Größe. Rückwärts und Sequenziell verbinden das Behalten somit mit einer Reihenfolgenoperation.
Unterschiede zwischen den drei Bedingungen
Die Unterschiede zwischen Vorwärts, Rückwärts und Sequenziell zeigen konkret, unter welcher Bedingung die Belastung steigt.
- Vorwärts höher, Rückwärts und Sequenziell niedriger — Die gehörte Reihenfolge bleibt verfügbar, doch das Verändern der Reihenfolge senkt die Leistung.
- Rückwärts niedriger — Die Belastung steigt besonders beim Umkehren und rückwärts gerichteten Verfolgen der Folge.
- Sequenziell niedriger — Die Belastung steigt beim Behalten, Größenvergleich und anschließenden Neuordnen der Ziffern.
- Alle drei Bedingungen ähnlich — Innerhalb von „Zahlen nachsprechen“ zeigt sich keine einzelne Reihenfolgebedingung mit deutlich abweichender Leistung.
Für den Vergleich verwenden Sie die im Bericht ausgewiesenen Prozesswerte und nicht allein selbst abgeleitete Rohwerte oder die längste Folge. Wenn der Bericht eine Differenzanalyse oder Häufigkeitsangabe enthält, lässt sich damit prüfen, ob der sichtbare Abstand über eine kleine zufällige Schwankung hinausgeht. Wie Untertestunterschiede in den Gesamtbefund eingeordnet werden, erklärt WAIS-Ergebnisse lesen.
Die deutschsprachige WAIS-5 führt die drei Bedingungen weiterhin auf
In der veröffentlichten Untertestübersicht der deutschsprachigen WAIS-5 werden alle drei Bedingungen weiterhin genannt.
| Bedingung der deutschen WAIS-IV | Bezeichnung in der angekündigten deutschsprachigen WAIS-5 |
|---|---|
| Sequenziell | Zahlen nachsprechen (Sequenziell) |
| Vorwärts | Zahlen nachsprechen (Vorwärts) |
| Rückwärts | Zahlen nachsprechen (Rückwärts) |
Zusätzlich ist „dynamische Zahlenspanne“ als neuer Untertest angekündigt. Welchem einzelnen Index die drei Bedingungen und der neue Untertest zugeordnet werden, welche davon primär, sekundär oder optional sind und welche Werte in den Gesamt-IQ eingehen, ist vor der Veröffentlichung noch nicht ausgewiesen. Die Einordnung als AGD-Kerntest in diesem Artikel bezieht sich daher auf die deutsche WAIS-IV. Den angekündigten Stand fasst WAIS-IV und WAIS-5 im Vergleich zusammen.
Zahlen nachsprechen und Arbeitsgedächtnis im Alltag
Eine ähnliche Belastung entsteht, wenn Sie mündliche Informationen kurz behalten und in einer festgelegten Reihenfolge verwenden müssen:
- eine mündlich erhaltene Anweisung mit mehreren Schritten in der richtigen Reihenfolge ausführen
- eine gehörte Nummer oder einen Code bis zur Eingabe behalten
Wenn Vorwärts gelingt, Rückwärts oder Sequenziell aber deutlich schwerer fallen, steigt die Belastung nicht nur mit der Informationsmenge, sondern besonders durch das Neuordnen im Kopf. Eine sichtbare Notiz oder Reihenfolge auf dem Bildschirm verringert genau diesen Verarbeitungsschritt.
Der Unterschied zwischen „Zahlen nachsprechen“, „Rechnerisches Denken“ und „Buchstaben-Zahlen-Folgen“
Alle drei Untertests nutzen auditives Arbeitsgedächtnis, verlangen am Ende aber unterschiedliche Verarbeitungen.
| Untertest | Zentrales Material | Direkte Aufgabe |
|---|---|---|
| Zahlen nachsprechen | Ziffern | in der gehörten, umgekehrten oder aufsteigenden Reihenfolge wiedergeben |
| Rechnerisches Denken | mündlich gestellte quantitative Aufgaben | Bedingungen behalten, eine Rechenoperation auswählen und im Kopf lösen |
| Buchstaben-Zahlen-Folgen | Ziffern und Buchstaben | in zwei Gruppen einteilen und jeweils in die vorgegebene Reihenfolge bringen |
„Zahlen nachsprechen“ arbeitet ohne bedeutungsvollen Text und ohne Rechenaufgabe. Dadurch stehen das Behalten von Ziffern und das Verändern ihrer Reihenfolge besonders direkt im Mittelpunkt.