5 Bereiche mit 9 Testteilen messen
BrainTypeIQ misst 5 Bereiche der CHC-Theorie (Gc, Gf, Gv, Gwm, Gs) mit 9 Testteilen.
| Bereich | Testteile | Was betrachtet wird |
|---|---|---|
| Gc (kristallisierte Intelligenz) | Wortschatz (Antonyme) / verbale Analogien | Tiefe von Wortbedeutungen / Beziehungsschlussfolgern mit Sprache |
| Gf (fluides Schlussfolgern) | Matrizen-Schlussfolgern / Waagenlogik | Regeln in Formmustern / logisches und quantitatives Schlussfolgern |
| Gv (visuell-räumliche Verarbeitung) | Papierfalten / Zusammensetz-Puzzles | räumliche Umwandlung beim Falten und Entfalten / visuelle Integration von Teilen und Ganzem |
| Gwm (Arbeitsgedächtnis) | Kopfrechnen und Merken / Rückwärts merken | gleichzeitiges Rechnen und Halten / visuelle Informationen in umgekehrter Reihenfolge bearbeiten |
| Gs (Verarbeitungsgeschwindigkeit) | Symbolsuche | Geschwindigkeit und Genauigkeit beim visuellen Abgleich |
Warum gibt es meist zwei Testteile pro Bereich? Ein einzelner Testteil kann zu stark von der Passung zur konkreten Aufgabenform abhängen. Wenn man Gf nur über Matrizen-Schlussfolgern betrachtet, sieht man induktive Mustererkennung gut, aber bedingungsgebundenes Herleiten weniger deutlich. Verschiedene Zugänge zum gleichen Bereich machen das Ergebnis leichter lesbar.
Warum diese Testteile zu den Bereichen passen
Gc: Wortschatz (Antonyme) / verbale Analogien
Es geht um "kennen" und "nutzen".- Wortschatz (Antonyme) - betrachtet, wie genau Wortbedeutungen unterschieden werden. Wortschatzaufgaben können Synonyme, Antonyme oder Definitionen nutzen; gemeinsam ist, dass sie sprachliches Wissen relativ stabil erfassen.
- Verbale Analogien - betrachtet, ob eine Beziehung zwischen Wörtern erkannt und auf ein anderes Wortpaar übertragen werden kann. Neben Gc ist hier auch eine Gf-nahe Schlussfolgerung beteiligt.
Gf: Matrizen-Schlussfolgern / Waagenlogik
"Erkennen" und "Herleiten" sind verschiedene Verarbeitungsschritte.Matrizen-Schlussfolgern ist eine klassische Form induktiven Schlussfolgerns, bekannt aus Aufgaben wie progressiven Matrizen. Man erkennt Muster in mehreren Richtungen und führt sie zusammen. Waagenlogik ist stärker bedingungsgebunden: Man hält Relationen und leitet daraus eine Antwort ab.
Beides gehört zu fluidem Schlussfolgern. Die Belastung ist aber nicht identisch: in der Aufgabe Regeln zu erkennen ist etwas anderes, als gegebene Bedingungen zu halten und daraus eine Antwort abzuleiten.
Gv: Papierfalten / Zusammensetz-Puzzles
Eine Umwandlung verfolgen und ein Ganzes zusammensetzen belasten unterschiedlich.Papierfalten verfolgt räumliche Umwandlungen: falten, verändern, wieder entfalten. Zusammensetz-Puzzles betrachten, wie aus Teilen eine Gesamtform entsteht.
Beide hängen mit visuell-räumlicher Verarbeitung zusammen. Papierfalten belastet stärker das Halten einer Umwandlungsfolge, Zusammensetz-Puzzles stärker die Zuordnung von Teil und Ganzem.
Gwm: Kopfrechnen und Merken / Rückwärts merken
BrainTypeIQ nutzt sowohl rechnerisches Halten als auch visuelles Halten.Kopfrechnen und Merken ist eine doppelte Aufgabe aus Verarbeitung und Halten. Solche komplexen Spannenaufgaben werden in der Arbeitsgedächtnisforschung genutzt, um Kapazität beim gleichzeitigen Bearbeiten und Behalten zu erfassen.
Rückwärts merken ist eine visuelle Rückwärtsaufgabe. Sie nutzt einen anderen Zugang als ein rein sprachlich-auditiver Digit Span: Gesehene Positionen und Reihenfolgen müssen gehalten und umgekehrt ausgegeben werden.
Gs: Symbolsuche
Verarbeitungsgeschwindigkeit wird bewusst über einen Kern-Testteil gelesen.Symbolsuche wiederholt einen visuellen Abgleich ohne Bedeutungsinhalt. Sie ist eine typische Aufgabenform für Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Gs hat in BrainTypeIQ nur einen Testteil, weil Verarbeitungsgeschwindigkeit besonders stark von Zeitbegrenzung und Durchführung abhängt. Gerät, Bildschirmgröße, Eingabeform, Netzwerk und Umgebung können das Ergebnis beeinflussen. BrainTypeIQ priorisiert deshalb zunächst eine eng gefasste, möglichst stabile Kernform.
Warum es nicht dieselben Aufgaben wie in WAIS sind
Eine Präsenzbatterie braucht nicht nur theoretisch passende Aufgaben, sondern Aufgaben, die unter standardisierten Bedingungen stabil durchführbar sind. Dazu gehören Zeit, Testleiterverfahren, Material, Ermüdung und einheitliche Standardisierung.
Online treten andere Einschränkungen stärker hervor: Geräteunterschiede, Antwortumgebung, Identitätsprüfung und Unterbrechungen. Ein Blockdesign mit physischen Würfeln lässt sich zum Beispiel nicht direkt online übernehmen. Freie Wortschatzantworten sind online ebenfalls schwerer einheitlich zu bewerten als Auswahlformate.
Auch wenn derselbe Fähigkeitsbereich betrachtet wird, kann die passende Aufgabenform online anders aussehen als in einer Präsenzdiagnostik. Entscheidend ist nicht, ob die Aufgabe gleich aussieht, sondern ob der Zielbereich in dieser Umgebung stabil erfasst wird.