WAIS-IV: Rechnerisches Denken

Im Untertest Rechnerisches Denken behalten Sie mündlich gestellte quantitative Bedingungen, erfassen ihre Beziehungen und lösen die Aufgabe im Kopf. Der Kerntest verbindet Arbeitsgedächtnis mit quantitativem und fluidem Schlussfolgern.

Rechnerisches Denken verlangt, mündlich gestellte Aufgaben im Kopf zu lösen

Im WAIS-IV-Untertest „Rechnerisches Denken“ hören Sie eine Reihe von Rechenaufgaben und geben die Lösung mündlich an. In der deutschen WAIS-IV ist er zusammen mit „Zahlen nachsprechen“ ein Kerntest des Index Arbeitsgedächtnis (AGD).

Sie müssen die Bedingungen der Aufgabe behalten, die benötigte Rechnung auswählen und Zwischenergebnisse im Kopf verfügbar halten. Das gleichzeitige Erinnern und Verarbeiten ist ein zentrales Merkmal dieses Untertests.

Informationen behalten, quantitativ schlussfolgern und im Kopf rechnen

Bei „Rechnerisches Denken“ folgen mehrere Verarbeitungsschritte aufeinander:

  1. Zahlen und Bedingungen der Aufgabe aufnehmen
  2. die benötigten Informationen kurzfristig behalten
  3. die quantitative Beziehung zwischen den Angaben erkennen
  4. eine passende Rechenoperation auswählen
  5. Zwischenergebnisse behalten und im Kopf weiterrechnen
  6. innerhalb der vorgegebenen Zeit antworten

Der Wert für „Rechnerisches Denken“ hängt nicht nur vom Arbeitsgedächtnis (Gwm) ab. Quantitatives, fluides und logisches Schlussfolgern, Zahlenwissen, Rechengenauigkeit, Aufmerksamkeit und der Umgang mit der verfügbaren Zeit wirken gemeinsam auf das Ergebnis. Deshalb kann der Untertest andere Stärken und Belastungen zeigen als „Zahlen nachsprechen“, obwohl beide zum AGD gehören.

Schnelle richtige Antworten erhalten in der deutschen WAIS-IV keinen zusätzlichen Zeitbonus. Die Zeitbegrenzung bestimmt, ob die Aufgabe rechtzeitig abgeschlossen wird, belohnt aber nicht ein besonders schnelles Ergebnis mit weiteren Punkten.

Was ein hoher oder niedriger Wert bedeuten kann

Ein hoher Wert zeigt, dass Sie im Vergleich zu Personen derselben Altersgruppe mündlich gestellte quantitative Bedingungen gut behalten, Beziehungen zwischen ihnen erkennen und die notwendige Rechnung innerhalb der verfügbaren Zeit im Kopf ausführen können. Es geht nicht nur um Rechengeschwindigkeit, sondern auch darum, die Aufgabe zu verstehen und in Rechenoperationen zu übersetzen.

Bei einem niedrigen Wert lässt sich anhand der Reaktionen während der Durchführung genauer unterscheiden, in welchem Schritt die Belastung steigt:

  • Während Sie den späteren Teil der Aufgabe hören, gehen Zahlen oder Bedingungen vom Anfang verloren.
  • Die Zahlen bleiben verfügbar, aber die quantitative Beziehung oder die benötigte Rechenoperation lässt sich schwer bestimmen.
  • Der Lösungsweg ist bekannt, doch Zwischenergebnisse gehen beim Kopfrechnen verloren.
  • Die richtige Lösung wird grundsätzlich gefunden, aber nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit.

Auch Mathematikangst kann das Ergebnis beeinflussen. Eine Studie zeigte, dass Mathematikangst den Wert für die Rechenaufgaben der WAIS-IV vorhersagte, während derselbe Zusammenhang bei Zahlen nachsprechen und Buchstaben-Zahlen-Folgen nicht auftrat. Anspannung, die besonders bei quantitativen Aufgaben entsteht, ist damit ein weiterer Hinweis für die Einordnung. Wie ein einzelner Untertest im Gesamtbefund gelesen wird, erklärt WAIS-Ergebnisse lesen.

Im Alltag entsteht eine ähnliche Belastung, wenn Sie mündlich genannte Beträge oder Zeitspannen abschätzen oder aus mehreren quantitativen Bedingungen eine benötigte Menge bestimmen. Wenn Sie Bedingungen und Zwischenergebnisse notieren, verringern Sie die Belastung des Behaltens, die bereits vor dem eigentlichen Rechnen entsteht.

Der Unterschied zwischen „Zahlen nachsprechen“, „Rechnerisches Denken“ und „Buchstaben-Zahlen-Folgen“

UntertestZentrales MaterialAbgrenzung zu „Rechnerisches Denken“
Zahlen nachsprechenZiffernohne quantitative Textaufgabe oder Rechnung behalten und in eine vorgegebene Reihenfolge bringen
Rechnerisches Denkenquantitative Beziehungen in einer mündlich gestellten AufgabeBedingungen behalten, eine Rechenoperation auswählen und im Kopf lösen
Buchstaben-Zahlen-FolgenZiffern und Buchstabenin zwei Gruppen einteilen und jeweils ordnen, ohne zu rechnen

Innerhalb des AGD wird der Einfluss von quantitativem Schlussfolgern und Rechnen bei „Rechnerisches Denken“ besonders sichtbar. Auch Kopfrechnen und Merken in BrainTypeIQ verbindet Verarbeitung und Behalten, verlangt aber das Speichern von Rechenergebnissen für eine spätere Wiedergabe und verfolgt damit ein anderes Aufgabenziel.

Die genaue Rolle in der deutschsprachigen WAIS-5 ist noch nicht veröffentlicht

„Rechnerisches Denken“ ist in der veröffentlichten Untertestübersicht der deutschsprachigen WAIS-5 weiterhin aufgeführt. Welchem einzelnen Index der Untertest dort zugeordnet wird, ob er als primärer, sekundärer oder optionaler Untertest dient und ob er in die Berechnung des Gesamt-IQ eingeht, ist in den vor der Veröffentlichung zugänglichen Angaben noch nicht ausgewiesen.

Die Einordnung als Kerntest des AGD in diesem Artikel bezieht sich auf die deutsche WAIS-IV. Die amerikanische WAIS-5 kann nicht als bestätigte Struktur der noch nicht veröffentlichten deutschsprachigen Ausgabe übernommen werden. Den angekündigten Stand erklärt WAIS-IV und WAIS-5 im Vergleich.

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