Was BrainTypeIQ misst
BrainTypeIQ ist ein Online-IQ-Test, der das kognitive Profil sichtbar machen soll. Neben dem Gesamt-IQ betrachtet er, in welchen kognitiven Bereichen Stärke leichter sichtbar wird und wo Belastung eher entsteht.
Die 5 Bereiche orientieren sich an der CHC-Theorie.
| Bereich | Kürzel | Was betrachtet wird |
|---|---|---|
| kristallisierte Intelligenz | Gc | Wortwissen und Bedeutungsverstehen |
| fluides Schlussfolgern | Gf | Schlussfolgern bei neuen Aufgaben und Mustererkennung |
| visuell-räumliche Verarbeitung | Gv | räumliche Vorstellung und Bearbeitung von Formen |
| Arbeitsgedächtnis | Gwm | kurzfristiges Halten und Bearbeiten von Informationen |
| Verarbeitungsgeschwindigkeit | Gs | Tempo und Genauigkeit bei einfachen Verarbeitungsschritten |
Diese 5 Bereiche werden mit 9 Testteilen betrachtet. Pro Bereich werden möglichst zwei Testteile genutzt, damit das Ergebnis nicht zu stark von einer einzelnen Aufgabenform abhängt.
Mehr zur Struktur steht in 9 Testteile und 5 kognitive Bereiche.
Warum das Profil wichtig ist
Der Gesamt-IQ ist nützlich, um das allgemeine Niveau zu lesen. Er kann aber Bereichsunterschiede mitteln und dadurch verdecken. Bei gleichem Gesamt-IQ können Menschen sehr unterschiedliche Profile haben: sprachlich leichter zugänglich, visuell-räumlich stärker, stärker im vertieften Denken oder leichter in kurzer Verarbeitung.
BrainTypeIQ zeigt deshalb nach dem Gesamt-IQ auch die 5 Bereiche. Zusätzlich gibt es mit der Gehirntyp-Klassifikation eine Lesart, die Score-Muster alltagsnäher einordnet.
Wie BrainTypeIQ angelegt ist
Theoretischer Rahmen - Die 5 Bereiche orientieren sich an der CHC-Theorie. Diese Theorie betrachtet Intelligenz nicht nur als eine einzige Fähigkeit, sondern als mehrere breite Fähigkeitsbereiche. Sie hilft auch beim Verstehen vieler Intelligenztests.
Testteil-Design - Die Testteile nutzen Aufgabenformen, die aus psychometrischer Forschung bekannt sind, werden aber für eine Online-Umgebung gestaltet. BrainTypeIQ übernimmt keine Präsenztest-Untertests direkt, sondern betrachtet ähnliche Fähigkeitsbereiche in online geeigneter Form.
Scoring - Aus Antworten werden Rohwerte berechnet, Schwierigkeit wird berücksichtigt und die Ergebnisse werden in IQ-Skalen übertragen. Danach werden altersbezogene Informationen und Zusammenhänge zwischen Testteilen genutzt, um Bereichsscores, GAI/CPI-nahe Lesarten und Gesamt-IQ zu berechnen.
Mehr dazu steht in Wie Scores berechnet werden.
Verhältnis zu etablierten Intelligenztests
BrainTypeIQ lässt sich besser einordnen, wenn man etablierte Präsenztests als eigenen Kontext versteht.
| Batterie | Struktur | Merkmal |
|---|---|---|
| WAIS-IV | 4 Indizes, Kerntests, Präsenzdurchführung | standardisierte Durchführung und Auswertung durch Fachpersonen |
| WAIS-5 | 5 primäre Indizes, stärker getrennte visuell-räumliche und fluide Bereiche | näher an einer 5-Bereich-Struktur; in Deutschland als neue Ausgabe angekündigt |
| WJ IV COG | explizit CHC-basiert | breite und enge Fähigkeiten werden systematisch zugeordnet |
| SB5 | 5 Faktoren x verbal/nichtverbal | breite Altersbereiche und verbale/nichtverbale Aufgabenformen |
Präsenztests wählen nicht nur theoretisch passende Aufgaben, sondern Aufgaben, die klinische, praktische und standardisierte Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Durchführung durch Fachpersonen, Material, Testzeit, Auswertungsregeln und Normierung.
Auch die Beziehung zur CHC-Theorie ist je nach Test unterschiedlich. Manche Batterien benennen CHC explizit als Grundlage. Andere lassen sich gut in CHC-Begriffen beschreiben, ohne dass diese Theorie die gesamte offizielle Architektur bestimmt.
BrainTypeIQ nutzt die 5 Bereiche Gc, Gf, Gv, Gwm und Gs als gemeinsamen Rahmen und wählt Aufgabenformen, die online stabiler umsetzbar sind. Es bildet keine WAIS-Untertests nach und ersetzt keine standardisierte Präsenzdiagnostik.
Online-Durchführung
Online-Durchführung hat andere Einschränkungen als eine Präsenztestung.
- Geräteunterschiede - Smartphone und PC unterscheiden sich in Anzeige und Bedienung. Besonders bei Verarbeitungsgeschwindigkeit muss das berücksichtigt werden.
- Umgebungsunterschiede - Geräusche, Licht, Unterbrechungen und Sitzposition lassen sich zu Hause nicht vollständig kontrollieren.
- Identitätsprüfung - Ohne Aufsicht lässt sich nicht mit derselben Sicherheit prüfen, wer den Test bedient.
Online hat aber auch eigene Stärken.
- Reaktionsdaten - Neben Antworten können Reaktionszeiten und Prozessinformationen erfasst werden.
- Einheitliches Scoring - Die Auswertung kann konsistent automatisiert werden.
- Schnelle Visualisierung - Das Bereichsprofil kann direkt zurückgegeben werden.
Online ist deshalb nicht grundsätzlich besser. Es hat andere Möglichkeiten und andere Grenzen als eine fachlich angeleitete Präsenztestung.
Wann BrainTypeIQ passt
BrainTypeIQ und klinische Diagnostik haben unterschiedliche Zwecke.
- BrainTypeIQ passt eher - wenn man Gesamt-IQ und kognitives Profil zunächst sichtbar machen möchte, eigene Lern- oder Arbeitsbedingungen besser verstehen will oder vor einer möglichen Abklärung die eigene Tendenz sprachlich ordnen möchte.
- Klinische oder fachliche Diagnostik ist nötig - wenn es um Diagnose, offizielle Stellungnahmen, Nachteilsausgleich, Therapie, Schule, Beruf oder externe Nachweise geht.
BrainTypeIQ ersetzt keine klinische Untersuchung und keine offizielle Intelligenzdiagnostik. Wenn ein Ergebnis für medizinische, schulische, berufliche oder institutionelle Entscheidungen gebraucht wird, ist eine Untersuchung bei geeigneten Fachpersonen nötig.
Wenn es zuerst um Selbstverständnis und das Lesen kognitiver Unterschiede geht, kann man mit BrainTypeIQ einen Online-IQ-Test mit 9 Testteilen machen und das Ergebnis als Profil betrachten. Das Profil ist nicht das Ziel an sich; wichtig ist, was man daraus für Bedingungen, Schritte und Umgang ableitet.