Aus sechs Teilen die drei auswählen, die zusammen die Zielform bilden
Im WAIS-IV-Untertest „Visuelle Puzzles“ sehen Sie eine vollständige Zielform und sechs mögliche Teile. Innerhalb einer Zeitbegrenzung wählen Sie die drei Teile aus, die sich zur Zielform zusammensetzen lassen. Sie dürfen die Teile nicht real bewegen oder probeweise anordnen, sondern müssen im Kopf prüfen, wie die ausgewählten Formen zusammenpassen.
In der deutschen WAIS-IV ist „Visuelle Puzzles“ zusammen mit „Mosaik-Test“ und „Matrizen-Test“ ein Kerntest des Index Wahrnehmungsgebundenes Logisches Denken (WLD).
Auch in der veröffentlichten Untertestübersicht der deutschsprachigen WAIS-5 wird „Visuelle Puzzles“ genannt. Welchem einzelnen Index der Untertest dort zugeordnet wird und ob er als primärer, sekundärer oder optionaler Untertest dient, ist in den vor der Veröffentlichung zugänglichen Angaben noch nicht ausgewiesen. Die Einordnung als Kerntest des WLD in diesem Artikel bezieht sich daher auf die deutschsprachige WAIS-IV.
Ganzes und Teile erfassen, Formen gedanklich drehen und verbinden
Bis die richtigen drei Teile ausgewählt sind, greifen mehrere Verarbeitungsschritte ineinander:
- erkennen, in welche Teile sich die Zielform zerlegen lässt
- Umrisse, Kanten und Ecken der Antwortmöglichkeiten mit der Zielform vergleichen
- Teile im Kopf drehen und ihre Ausrichtung anpassen
- den äußeren Umriss der drei verbundenen Teile vorstellen
- prüfen, ob die Teile ohne Lücke oder Überstand der Zielform entsprechen
Da die Verbindungslinien im fertigen Ganzen nicht mehr sichtbar sind, müssen Sie innere Grenzen gedanklich ausblenden und die verbundenen Teile wieder als eine einzige äußere Form betrachten.
Was ein hoher oder niedriger Wert bedeuten kann
Ein hoher Wert zeigt, dass Sie im Vergleich zu Personen derselben Altersgruppe eine Zielform gut in Teile zerlegen, deren Ausrichtung im Kopf verändern und mehrere Teile richtig zusammenfügen können. Auch ohne Probelegen können Sie sich den fertigen Umriss vorstellen und unpassende Antwortmöglichkeiten ausschließen.
Bei einem niedrigen Wert steigt die Belastung beim Zerlegen der Zielform in die benötigten Teile, beim gedanklichen Drehen, beim gleichzeitigen Bearbeiten von drei Teilen oder beim Abgleichen des zusammengesetzten Umrisses mit der Zielform. Da die Auswahl innerhalb der Zeitbegrenzung erfolgen muss, kann auch eine langsamere Entscheidung den Wert beeinflussen, selbst wenn die richtige Kombination schließlich erkannt wird.
Liegt „Visuelle Puzzles“ deutlich höher als „Mosaik-Test“, ist das rein gedankliche Zusammensetzen von Formen eine relativ größere Stärke als die schnelle Rekonstruktion mit realen Würfeln. Liegt der Wert höher als beim Matrizen-Test, gelingt Ihnen das Zerlegen und Verbinden von Formen relativ besser als das Erkennen von Regeln in einer Figurenanordnung. Die Einordnung von Unterschieden erklärt WAIS-Ergebnisse lesen.
Der Unterschied zu Mosaik-Test und Matrizen-Test
| Untertest | Direkte Aufgabe | Zentrale Verarbeitung | Reale Handbewegung |
|---|---|---|---|
| Visuelle Puzzles | drei Teile auswählen, die zusammen die Zielform bilden | Formen zerlegen, gedanklich drehen und verbinden | nein |
| Mosaik-Test | ein Muster mit Würfeln nachbilden | Vorlage zerlegen und mit realem Material rekonstruieren | ja |
| Matrizen-Test | den fehlenden Teil einer Matrix oder Folge auswählen | Regeln für Veränderungen, Anordnungen und Beziehungen zwischen Figuren erkennen | nein |
Gemeinsamkeiten mit Formen zusammensetzen in BrainTypeIQ
Auch bei Formen zusammensetzen in BrainTypeIQ wählen Sie Teile aus, mit denen sich eine Zielform rekonstruieren lässt. Die Aufgabe erfasst visuell-räumliche Verarbeitung (Gv), indem Sie ohne reale Bewegung die Beziehung zwischen Ganzem und Teilen erkennen, Formen gedanklich drehen und zusammenfügen.