Was sprachliche und nonverbale Stärken bedeuten
Sprachliche und nonverbale Stärken beschreiben, welche Aufgaben innerhalb Ihres persönlichen Profils relativ besser gelingen: Aufgaben mit Wörtern oder Aufgaben mit Formen, Anordnungen und visuellen Regeln.
- Sprachliche Stärke — Wortbedeutungen erfassen, Wissen abrufen, Gemeinsamkeiten erkennen und begrifflich zusammenfassen und Gedanken mit Worten erklären
- Nonverbale Stärke — Formen zerlegen und neu zusammensetzen, Ausrichtungen und räumliche Beziehungen bearbeiten sowie Regeln in visuellen Mustern erkennen
Eine „Stärke“ kann sowohl eine hohe Leistung im Vergleich zu Gleichaltrigen als auch eine relative Stärke gegenüber den eigenen anderen Fähigkeiten bezeichnen. Die WAIS ordnet Ihnen keinen „sprachlichen“ oder „nonverbalen Typ“ zu. Solche Stärken zeigen sich in den Unterschieden zwischen Indizes und Untertests.
Merkmale sprachlicher Stärken
Im Mittelpunkt einer sprachlichen Stärke stehen weder die Menge des Sprechens noch die Lesegeschwindigkeit. Entscheidend ist, Wortschatz, Wissen und Konzepte für Verständnis und Erklärung einzusetzen.
- Gemeinsamkeiten mehrerer Beispiele erkennen und in einem Satz zusammenfassen
- Unklare Begriffe definieren und dadurch Missverständnisse in einer Diskussion verringern
- Früher erworbenes Wissen mit einem aktuellen Problem verbinden
- Entscheidungsgründe oder Abläufe in Worte fassen und dabei fehlende Bedingungen erkennen
Bei Arbeit und Lernen zeigt sich das etwa darin, die zentralen Fragen aus langen Unterlagen herauszuarbeiten, komplexe Inhalte geordnet zu erklären oder Abbildungen und Vorführungen durch Bezeichnungen und Bedingungen verständlicher zu machen. Die zugrunde liegende Fähigkeit erläutert der Artikel Sprachverständnis und kristallisierte Intelligenz (Gc).
Merkmale nonverbaler Stärken
Im Mittelpunkt einer nonverbalen Stärke steht, Strukturen zu erfassen, dabei Formen und räumliche Beziehungen im Kopf zu behalten und Zusammenhänge in visuellem Material zu erkennen.
- Eine fertige Form in Teile zerlegen und den Zusammenbau gedanklich nachvollziehen
- Zeichnung und Gegenstand, Grundriss und räumliches Objekt oder Ansichten aus verschiedenen Winkeln einander zuordnen
- Hierarchien und Gruppen aus der Anordnung auf einem Bildschirm oder einer Seite erkennen
- Regeln aus Veränderungen in Diagrammen oder Figuren ableiten
Zur nonverbalen Seite gehören die visuell-räumliche Verarbeitung (Gv) für Formen, Ausrichtungen und Anordnungen sowie das fluide Schlussfolgern (Gf) zum Erkennen unbekannter Beziehungen und Regeln. Manche Menschen sind besonders stark im Umgang mit Formen und Anordnungen, andere im Entdecken von Regeln. Was eine nonverbale Stärke genau ausmacht, unterscheidet sich deshalb auch zwischen den Untertests.
Sprachliche und nonverbale Stärken im WAIS-Ergebnis
Im WIE, der deutschsprachigen Fassung des WAIS-III, geben Verbal-IQ und Handlungs-IQ Hinweise auf die sprachliche und nonverbale Seite. Im WAIS-IV sind es die Indizes Sprachverständnis (SV; international VCI) und Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken (WLD; international PRI). Die für November 2026 geplante deutschsprachige WAIS-5 trennt die bisher im WLD zusammengefassten Bereiche visuell-räumliche Verarbeitung und fluides Schlussfolgern in eigene Hauptindizes. Die Änderungen zwischen den Versionen erklärt der Artikel WAIS-IV und WAIS-5 im Vergleich.
Bei einem vorliegenden WAIS-IV-Ergebnis betrachten Sie neben dem Punkteabstand zwischen SV und WLD auch die im Bericht ausgewiesenen signifikanten Unterschiede, deren Basisraten und die Untertests innerhalb der Indizes. Unterscheiden sich zum Beispiel Mosaik-Test und Matrizen-Test innerhalb des WLD, lässt sich genauer erkennen, ob die Stärke eher bei Formen und Anordnungen oder beim Entdecken von Regeln liegt. Die Zusammensetzung der Indizes erläutert der Artikel WAIS-Indexwerte verstehen.
Stärken bei Arbeit und Lernen nutzen
Innerhalb derselben Tätigkeit gibt es Schritte, in denen Sie Bedingungen sprachlich ordnen, und Schritte, in denen Sie Strukturen anhand von Abbildungen oder Gegenständen prüfen. Praktischer als eine Einteilung nach Berufsbezeichnungen ist deshalb der Blick darauf, bei welchem Schritt Ihnen das Verstehen leichter fällt und Sie mit der Arbeit besser vorankommen.
| Schritt | Sprachliche Stärken nutzen | Nonverbale Stärken nutzen |
|---|---|---|
| Informationen aufnehmen | Bedingungen aus Texten, Gesprächen, Definitionen und Anleitungen erfassen | Strukturen aus Zeichnungen, fertigen Beispielen, Vorführungen und Anordnungen erfassen |
| Informationen ordnen | Zentrale Fragen, Gründe und Bedingungen als Text oder Stichpunkte festhalten | Beziehungen, Reihenfolgen und Hierarchien als Abbildung, Tabelle oder räumliche Anordnung darstellen |
| Ergebnisse darstellen | Spezifikation, Erklärungstext oder mündliche Erläuterung erstellen | Schaubild, Layout, Ablaufdiagramm oder Modell erstellen |
Wenn Sie eine Beziehung in einer Abbildung schwer verfolgen können, formulieren Sie sie beispielsweise als „Wenn A steigt, sinkt B“. Ist die Struktur eines langen Textes schwer zu erkennen, ordnen Sie Bedingungen und Schlussfolgerungen in einer zweispaltigen Tabelle an. Nutzen Sie die Ihnen liegende Form während des Verstehens und kehren Sie am Ende zu dem Text, der Abbildung oder der Handlung zurück, die die Aufgabe verlangt.
Mit BrainTypeIQ können Sie kristallisierte Intelligenz (Gc), visuell-räumliche Verarbeitung (Gv) und fluides Schlussfolgern (Gf) getrennt betrachten. So lässt sich aus dem übergeordneten Unterschied zwischen sprachlichen und nonverbalen Stärken genauer ableiten, welche Verarbeitung Ihnen besonders gut gelingt.