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Wissensbereich·2026-06-13 / Aktualisiert: 2026-09-07

Was ist der g-Faktor?

Der g-Faktor ist ein allgemeiner Intelligenzfaktor, der sich gemeinsam in unterschiedlichen Aufgaben zu Wortschatz, Rechnen, figuralem Schlussfolgern und Gedächtnis zeigt. Er wird aus den positiven Zusammenhängen zwischen mehreren Aufgaben geschätzt und liegt dem allgemeinen Niveau von IQ und Gesamt-IQ (FSIQ) zugrunde.

Inhaltsverzeichnis
  1. 01Der g-Faktor ist der gemeinsame Anteil unterschiedlicher Intelligenzaufgaben
  2. 02Wie der g-Faktor aus positiven Korrelationen geschätzt wird
  3. 03Der Unterschied zwischen g-Faktor, IQ und FSIQ
  4. 04Die g-Ladung beschreibt den Zusammenhang einer Aufgabe mit dem g-Faktor
  5. 05Der g-Faktor hängt stark mit Schulleistung und beruflicher Schulung zusammen
  6. 06g-Faktor und breite CHC-Fähigkeiten beschreiben unterschiedliche Ebenen
  7. 07IQ und Unterschiede im kognitiven Profil mit BrainTypeIQ messen

Der g-Faktor ist der gemeinsame Anteil unterschiedlicher Intelligenzaufgaben

Aufgaben zu Wortschatz, Rechnen, figuralem Schlussfolgern und Gedächtnis stellen unterschiedliche Anforderungen. Vergleicht man jedoch die Leistungen vieler Menschen, erzielen Personen mit einem hohen Ergebnis in einer Aufgabe tendenziell auch in anderen Aufgaben hohe Ergebnisse. Dieser gemeinsame Anteil unterschiedlicher kognitiver Aufgaben ist der allgemeine Intelligenzfaktor, der als g-Faktor bezeichnet wird.

Das Phänomen, dass Aufgaben insgesamt positiv miteinander korrelieren, heißt „positive Mannigfaltigkeit“. Seit Spearman den allgemeinen Faktor in einer Studie von 1904 vorschlug, ist der g-Faktor ein zentrales Konzept zur Erklärung der Gesamtleistung in Intelligenztests.

Wie der g-Faktor aus positiven Korrelationen geschätzt wird

Der g-Faktor ist kein Wert, der sich durch das Beantworten einer einzelnen Aufgabe direkt messen lässt. Er ist eine latente Variable, die aus den Zusammenhängen zwischen den Ergebnissen mehrerer Aufgaben zu Wortschatz, Schlussfolgern, Gedächtnis und Geschwindigkeit geschätzt wird.

Eine Faktorenanalyse trennt den Anteil, in dem die Ergebnisse vieler Aufgaben gemeinsam steigen oder fallen, von den Anteilen, die für die jeweilige Aufgabe spezifisch bleiben. Eine Wortschatzaufgabe verlangt beispielsweise Wortwissen, eine Symbolsuche visuelle Suchgeschwindigkeit. Neben diesen aufgabenspezifischen Unterschieden wird die gemeinsame Schwankung der Ergebnisse als g-Faktor beschrieben.

Die positive Mannigfaltigkeit wurde über unterschiedliche Kulturen und Tests hinweg vielfach bestätigt. Weiterhin diskutiert wird, ob eine einzelne allgemeine Fähigkeit diese Gemeinsamkeit hervorbringt oder ob sie aus dem Zusammenwirken mehrerer Fähigkeiten beziehungsweise aus kognitiven Prozessen entsteht, die sich zwischen Aufgaben überschneiden.

Der Unterschied zwischen g-Faktor, IQ und FSIQ

BegriffWas er beschreibt
g-FaktorEinen latenten allgemeinen Faktor, der aus den Korrelationen mehrerer kognitiver Aufgaben geschätzt wird
IQEinen Standardwert, der die Leistung in einem Intelligenztest innerhalb einer gleichaltrigen Vergleichsgruppe einordnet
FSIQDen Gesamt-IQ, der aus mehreren zentralen Untertests zusammengesetzt wird; in der deutschsprachigen WAIS als G-IQ bezeichnet
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Da der FSIQ mehrere Untertests mit unterschiedlichen Inhalten zusammenfasst, spiegelt er den g-Faktor stark wider. Der FSIQ ist jedoch ein beobachteter Wert, der anhand der für den jeweiligen Test festgelegten Zusammensetzung und Umrechnung berechnet wird. Der g-Faktor ist dagegen eine latente Variable, die die Beziehungen zwischen den Testergebnissen erklärt. Wie der FSIQ berechnet und interpretiert wird, erklärt Was ist der FSIQ?.

Die g-Ladung beschreibt den Zusammenhang einer Aufgabe mit dem g-Faktor

Die g-Ladung gibt an, wie stark die Leistung in einem Untertest mit dem g-Faktor zusammenhängt. Beträgt die g-Ladung in einem einfachen Einfaktormodell 0,70, ergibt ihr Quadrat 0,49. In diesem Modell teilen die Testergebnisse damit 49 Prozent ihrer Varianz mit g.

In einer Analyse der WAIS-IV zeigten unter anderem Rechnerisches Denken und Wortschatz-Test vergleichsweise hohe g-Ladungen, Aufgaben zur Verarbeitungsgeschwindigkeit dagegen niedrige. Die g-Ladung beschreibt nicht die Schwierigkeit einer Aufgabe, sondern wie stark sie die Fähigkeit widerspiegelt, die einer Gruppe von Aufgaben gemeinsam ist. Auch beim selben Untertest verändert sich der Wert je nach untersuchter Gruppe, den gemeinsam analysierten Tests und dem statistischen Modell.

IQ-Tests kombinieren Aufgaben mit unterschiedlichen Inhalten, um das gemeinsame allgemeine Leistungsniveau zu erfassen und dabei die Abhängigkeit von bestimmten Wissensinhalten oder Aufgabenformaten zu begrenzen.

Der g-Faktor hängt stark mit Schulleistung und beruflicher Schulung zusammen

Der g-Faktor steht besonders stark mit dem Lernen und dem Erwerb neuer Inhalte in Zusammenhang. Eine Metaanalyse zur Schulleistung und eine Metaanalyse zu beruflicher Schulung und Arbeitsleistung zeigen, dass die Stärke des Zusammenhangs vom betrachteten Ergebnis abhängt.

ErgebnisKorrigierte Korrelation
Schulleistung0,54
Lernerfolg in beruflichen Schulungen0,35–0,49
Heutige Arbeitsleistung0,18–0,22
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g sagt den Lernerfolg in Schule und beruflichen Schulungen gut voraus, der Zusammenhang mit heutiger Arbeitsleistung ist jedoch schwächer als früher angenommen. Die aktuellen Daten zur Arbeitsleistung stützten auch die frühere Erklärung nicht, dass g die Leistung in komplexeren Berufen stärker vorhersagt. Wie sich das allgemeine Niveau des IQ mit tatsächlichen Leistungen verbinden lässt, erklärt Wozu den IQ messen?.

g-Faktor und breite CHC-Fähigkeiten beschreiben unterschiedliche Ebenen

Die CHC-Theorie ordnet Intelligenz in allgemeine, breite und enge Fähigkeiten. In der heute häufig verwendeten Darstellung nach Carroll steht der g-Faktor auf der obersten Ebene. Darunter liegen breite Fähigkeiten wie Gc, Gf, Gv, Gwm und Gs. Horns Theorie, aus der die CHC-Theorie ebenfalls hervorging, nahm dagegen keinen einzelnen g-Faktor an der Spitze an.

Der g-Faktor beschreibt das allgemeine Niveau, das kognitiven Aufgaben gemeinsam ist. Breite Fähigkeiten zeigen, bei welchen Arten von Aufgaben eine Person ihre Fähigkeiten besonders gut einsetzen kann. Menschen mit ähnlichem Gesamt-IQ können deshalb unterschiedliche Kombinationen aus Sprachverständnis, Schlussfolgern, visuell-räumlicher Verarbeitung, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit aufweisen. Wie sich diese Kombinationen mit konkreten Alltagssituationen verbinden lassen, erklärt Was ist ein kognitives Profil?.

BrainTypeIQ zeigt auf Grundlage von neun Testteilen den Gesamt-IQ und das Profil der fünf Fähigkeiten.

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