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Wissensbereich·2026-06-13 / Aktualisiert: 2026-09-07

IQ- und WAIS-Muster bei ADHS

Der beständigste WAIS-Befund bei ADHS ist ein im Gruppenmittel leicht niedrigeres Arbeitsgedächtnis; die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist nicht durchgehend niedrig. Im Alltag fallen eher Leistungsschwankungen durch abschweifende Aufmerksamkeit und Unterbrechungen auf – die Testergebnisse helfen, Belastungen beim Verstehen, Behalten, Beginnen, schnellen Bearbeiten und Umsetzen einzuordnen.

Inhaltsverzeichnis
  1. 01ADHS: Durchschnittswerte mit leicht niedrigerem Arbeitsgedächtnis
  2. 02Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist nicht durchgehend niedrig, die Leistung schwankt stärker
  3. 03Auch bei durchschnittlichen WAIS-Werten kann die Ausführung im Alltag instabil sein
  4. 04WAIS-Werte mit den Bedingungen verbinden, unter denen Schwierigkeiten auftreten
  5. 05IQ und Unterschiede im kognitiven Profil mit BrainTypeIQ messen

ADHS: Durchschnittswerte mit leicht niedrigerem Arbeitsgedächtnis

Gesamt-IQ, Sprachverständnis, Schlussfolgern, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit liegen bei ADHS im Gruppenmittel jeweils im Durchschnittsbereich. Am beständigsten zeigt sich dabei ein leicht niedrigeres Arbeitsgedächtnis. Der mittlere Arbeitsgedächtnisindex (WMI; in der deutschsprachigen WAIS-IV AGD) betrug bei Erwachsenen 95,2 und bei Kindern 93,7. Das sind etwa 4 bis 6 Punkte weniger als das Normmittel von 100 (Metaanalyse zur WAIS-IV und WISC-V).

In derselben Metaanalyse lagen die Mittelwerte der erwachsenen ADHS-Gruppe beim Gesamt-IQ bei 98,4, beim Sprachverständnis bei 102,1 und beim wahrnehmungsgebundenen logischen Denken bei 99,7. Die IQ-Werte von Menschen mit ADHS reichen vom niedrigen bis zum hohen Bereich. ADHS kann auch mit hohem Sprachverständnis oder starkem Schlussfolgern zusammen auftreten.

Der leicht niedrigere WMI ist eine Tendenz im Gruppenmittel, kein festes Wertemuster aller einzelnen Personen. Wie das im WMI erfasste Behalten und Verarbeiten mit ADHS zusammenhängt, erklärt ADHS und Arbeitsgedächtnis.

Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist nicht durchgehend niedrig, die Leistung schwankt stärker

Der mittlere Index der Verarbeitungsgeschwindigkeit (PSI; in der deutschsprachigen WAIS-IV VG) betrug bei Erwachsenen mit ADHS 96,2 und bei Kindern 92,3. Beide Werte liegen im Durchschnittsbereich. Bei Erwachsenen war der PSI gegenüber dem Schlussfolgern keine deutlich ausgeprägte relative Schwäche innerhalb des Profils; auch bei Kindern wurde kein signifikanter Unterschied zum fluiden Schlussfolgern bestätigt. ADHS bedeutet nicht, dass der PSI niedrig sein muss.

Stärker als eine durchgehend langsame Leistung fällt bei ADHS auf, dass die Geschwindigkeit von Versuch zu Versuch weniger stabil ist. Eine Metaanalyse zu Reaktionszeiten fand in den ADHS-Gruppen eine größere Streuung zwischen den Versuchen. Wurde diese Streuung berücksichtigt, blieb keine langsamere mittlere Reaktionszeit bestehen (Metaanalyse zur Variabilität der Reaktionszeit).

Die Streuung von Reaktionszeiten und der PSI der WAIS sind unterschiedliche Messgrößen. Auch bei einem durchschnittlichen PSI können sich schnelle Phasen und Stillstände in Arbeit oder Lernen stark abwechseln. Wie ein niedriger PSI einzuordnen ist und wie sich Stillstand, Wiedereinstieg und Nacharbeit reduzieren lassen, erklärt ADHS und Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Auch bei durchschnittlichen WAIS-Werten kann die Ausführung im Alltag instabil sein

In der WAIS legt die untersuchende Person die Aufgaben einzeln vor und steuert Beginn und Ende. Im Alltag müssen Sie selbst Ziele setzen, anfangen, nach Unterbrechungen zurückkehren und Ihren Fortschritt bis zur Frist steuern.

Deshalb können auch bei durchschnittlichen Arbeitsgedächtnis- und Verarbeitungsgeschwindigkeitswerten Schwierigkeiten auftreten: Die Aufmerksamkeit schweift schon während der Aufnahme von Informationen ab, der Arbeitsbeginn verzögert sich, nach einer Unterbrechung geht der aktuelle Stand verloren, das Tempo bleibt nicht gleichmäßig oder eine Aufgabe wird nicht fristgerecht fertig. Durchschnittliche WAIS-Werte und eine verlässliche Ausführung im Alltag sind nicht dasselbe.

Wie Unterschiede im IQ-Profil mit dem Abstand zwischen Testleistung und Alltag zusammenhängen, erklärt IQ-Profil und Entwicklungsbesonderheiten.

WAIS-Werte mit den Bedingungen verbinden, unter denen Schwierigkeiten auftreten

WAIS-Ergebnisse helfen dabei einzuschätzen, ob die Ausführung vor allem beim Behalten, Beginnen, Wiedereinstieg oder Umsetzen instabil wird.

ErgebnisRelevante Bedingungen
Arbeitsgedächtnis: AGD (WMI) innerhalb des eigenen Profils niedrigerMehrere mündliche Anweisungen, Behalten von Zwischenergebnissen, Wiedereinstieg nach einer Unterbrechung
Verarbeitungsgeschwindigkeit: VG (PSI) innerhalb des eigenen Profils niedrigerVisuelle Suche, Übertragen und Abgleichen, Schreiben, Zeitbegrenzung
Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit beide im DurchschnittsbereichBeginnen, Priorisieren, Schwankungen des Arbeitstempos, Unterbrechungen, fristgerechter Abschluss
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Zuerst steht das Niveau jedes Werts im Vergleich zur gleichaltrigen Normgruppe, danach die relative Differenz zu den übrigen eigenen Fähigkeiten. Anschließend lässt sich prüfen, unter welchen Alltagsbedingungen dieselbe Belastung entsteht. Indexunterschiede und Untertests erläutert WAIS-Ergebnisse richtig lesen.

So führt die Auswertung über Mittelwerte und Punktdifferenzen hinaus: Sie macht konkret, ob beim Behalten, Beginnen, Wiedereinstieg oder Umsetzen Unterstützung oder eine Anpassung der Umgebung benötigt wird.

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